Wams aus dem 15. Jahrhundert

Das Wams hat sich vermutlich aus dem Gambeson entwickelt, der durch aufkommen der Plattenrüstungen zwangsläufig an den Körper angepasst werden musste. Doublet ist der Französische Begriff der durch seine weiter gefasste Bedutung (die eine Form des Gambesons mit einschließt), auch einen Hinweis auf die Herkunft dieses Kleidungsstückes gibt.

Da das Wams dem gotischen Ideal nach sehr eng und figurbetont ist brauchte ich in diesem Fall jeweils nur 1,2 Meter Stoff (1,5m breit) für Innenfutter und Außenmaterial.

Zunächst das Schnittmuster:

Wie man einen Grundschnitt macht steht in meinem Schnittmuster Beitrag:

http://www.rammsberg-manufaktur.de/schnittmuster-erstellen/

Für ein Wams müsst ihr den Grundschnitt kaum verändern.  Eine Optik wie bei diesem körperbetonten Wams erreicht ihr, wenn ihr nur eine Nahtzugabe macht. Dadurch ist das Wams sehr eng und nur für Ausgehzwecke geeignet, für ein Alltagskleidungsstück würde ich in allen vertikalen Linien etwa einen Zentimeter hinzugeben.

Wams Schnittmuster

Beide Teile müssen doppelt zugeschnitten werde. Wenn euer Stoff zwei Seiten hat müsst ihr darauf Acht geben, dass ihr eure Schnittmuster richtig auf den Stoff legt – wenn ihr den Stoff faltet und beide Hälften so auf ein mal ausschneidet seid ihr auf der sicheren Seite. Das Schnittmuster mache ich immer ohne Nahtzugabe; das ist aber Geschmacksache.

Zuerst habe ich das Innenfutter zugeschnitten um den Schnitt auszuprobieren, da es mein erster Versuch mit diesem Schnitt war wollte ich den teuren Wollköper nicht verhunzen.Wams Zugeschnitten

Jetzt werden zunächst die horizontalen Nähte entlang der Taille vernäht:Wams Innenfutter vernähen

Dann Kragen an den Halsausschnitt und alle vier Teile die  Schulter herab zusammennähen. Dabei und später immer darauf achten dass Nahtkreuzungen sauber aufeinander liegen.Wams Innenfutter zusammensetzen

Jetzt von oben nach unten in der Achsel beginnend die Seitennähte zusammenfügen.Wams Seitennähte zusammensetzen

 

Mittelnaht am Rücken wieder von Oben nach unten.Wams Innenfutter zusammensetzen Mittelnaht

Zuletzt den Ärmel: Diesen erst der Länge nach zu nähen (an der Armkugel beginnen), dann auf rechts drehen und einheften. Den Ärmel am höchsten und niedrigsten Punkt der Kurve fassen und flach ziehen, dann zuerst in der Achsel feststecken.  Der Zenit der Kurve verlagert sich an der Schulter etwas nach Vorn da der Armausschnitt dort meistens etwas weiter ist.

Damit auf beiden Seiten die rückwärtige Ärmelnaht auf der selben Höhe ist, hat es sich bewährt für den zweiten Ärmel von der Schulter zur Ärmelnaht des ersten Ärmel zu messen und beim Zweiten an der Ärmellängsaht mit dem Feststecken zu beginnen . Meistens lässt sich der Ärmel nicht faltenfrei feststecken, da der Innenduchmesser kleiner ist als der Außendurchmesser. Da beide Kanten aber (im Optimalfall) die selbe Länge haben,  stimmt später  wieder alles. Die Falten einfach möglichst gleichmäßig verteilen.

Mit dem Außenmaterial wird nach dem selben Schema verfahren.

Damit der Stehkragen später auch steht muss er verstärkt werden. Segeltuch oder Nessel ist dafür sehr gut geeignet. Einfacher ist es Vlieseline zu verwenden, die ist zwar nicht authentisch aber sehen tut das später niemand. Ich wollte sie für mein Gewand jedoch nicht benutzen.Stehkragen verstärkung

Ihr werdet viele Nadeln brauchen um das Segeltuch festzustecken da es nicht in diese Form „will“. So erhaltet ihr aber auch die Nötige Formstbilität.

Stehkragen Verstärkung einsetzen

Die späteren Nestellöcher ebenfalls mit Segeltuch zu verstärken scheint mir sinnvoll.

Wams Nestellöcher verstärkungen

Die hier gezeigte Methode ein Innenfutter zu vernähen ist eine Moderne, auf diese Weise sind die Nähte im Inneren geschützt und die Optik ist einheitlich, auch entstehen nicht so leicht Beulen im Außenmaterial weil man beide Teile nicht so präzise aufeinander legen muss und sich das Futter seperat im Inneren bewegen kann.

Historisch ist meines Wissens eine Methode üblich bei der Innenfutter und Außenmaterial aufeinander gelegt werden und dann gemeinsam vernäht werden. Was man dabei erhält ist im heutigen Sinne mehr eine Einlage oder Verstärkung. Innen sieht das dann so aus. Bei dieser Methode müsst ihr darauf achten dass beide Schichten wirklich plan und exakt aufeinander liegen sonst entstehen später seltsame Falten. Ich werde näher darauf eingehen, wenn ich einen Beitrag zu meinem neuesten Wams schreibe.

Auf jeden Fall muss ein Wams aus mehreren Lagen Stoff bestehen sonst sieht es später nicht gut aus. Auch eine Schicht dicker Stoff führt nicht zum gewünschten Ergebnis.

Für die moderne Methode legt ihr das fertige Innenfutter und Außenmaterial aufeinander und steckt es zunächst  entlang der Nähte fest. Damit nichts verrutscht und später Falten wirft auch einige Nadeln an den Nahtkreuzugen und so, dass beide Teile sozusagen parallel sind.  An den Außenkanten Innenfutter und Außenmaterial nach innen Umschlagen und sorgfältig zusammenstecken. Jetzt oben beginnen und die Kanten nach unten vernähen, zuletzt den Saum und die Ärmel. Wenn ihr euch die Präzision nicht zutraut beide Teile exakt gleich zu machen, empfehle ich lieber das Innenfutter minimal größer (und damit meine ich wirklich nur einige Millimeter bis ein Zentimeter)  zu machen. Im umgekehrten Fall sitzt das Innenfutter am Körper und das Obermaterial  wird beulig, Beulen im Innenfutter sind nicht ganz so schlimm da es meistens dünner ist und dann geknautscht wird, was von Außen kaum auffällt. Stehkragen Innenfutter einsetzen

Am Kragen beginnen, dann vorne herunter, Saum und zum Schluss die Ärmel.

Die 42 Knöpfe habe ich aus Messingdraht gebogen da mein Buget nicht reichte um fertige zu kaufen, ich jedoch nicht auf Zamackknöpfe zurückgreifen wollte. Diese gebogenen Knöpfe sind von mir frei erfunden, wenn es einen Beleg dafür gibt wäre das Zufall. Aus entfernung erzielen sie aber den gewünschten optischen Effekt. 

Drahtknopf

Wichtig war hier, dass kein offenes Drahtende absteht um den Stoff nicht zu beschädigen. In Anbetracht der nötigen Zeit (9std.) hat es sich jedoch nur bedingt gelohnt.

Knopflöcher und Knopfpositionen vorher mit Nadeln Markieren.Knopfe positionieren

 

Die Knöpfe werden auf die Stoffkante genäht. Dann anziehen und markieren an welche Stelle das Knopfloch muss damit der Sitz später stimmt.Prunkgewand RückseitePrunkgewand Vorderseite