Siegeltypare

Im Laufe des Spätmittelalters setze sich die Siegelurkunde als gängiges Rechtsdokument durch. Seinen Ursprung fand sie vermutlich im heutigen Frankreich und breitete sich in ihrer Nutzung weiter in Richtung Osten aus.

Dieser Prozess wird in Frankreich nahe gelegenen Regionen schon im späten 12. Jahrhundert fassbar, in Bayern häufen sich die Siegel allerdings erst im 14. Jahrhundert. Die Siegelführung wurde so normal, dass auch der niedere Adel, Stadtbürger, Dörfer und sogar freie Bauern Siegel verwendeten: Grundsätzlich war es jedem Freien erlaubt sich ein Siegel stechen zu lassen.

Es gab zwar keine festgelegten Regularien allerdings sind Reiter und Thronsiegel vor allem beim Hochadel zu finden, während der niedere Adel meistens Wappensiegel verwendete; Städte bildeten oft Mauern und Heilige ab. Die Siegelumschrift benennt im Normalfall den Siegelnden „Sigillum“ (oft abgekürzt) und darauf folgend der Name. Ab dem 12. Jahrhundert verwendeten die neu hinzukommenden Siegelführer meistens den Genitiv für ihren Namen, während der Hochadel beim Nominativ blieb. Wenn das Siegelbild so bekannt war, dass der Siegelnde davon ausgehen konnte auch ohne namentliche Nennung erkannt zu werden, kamen auch andere Siegelumschriften vor, wie beispielsweise Gebete. Die Gepflogenheiten bezüglich Motiv, Größe und Umschrift wiesen regionale Unterschiede auf.

Eine weitere Funktion von Siegeln war der Schutz von Briefen vor unbefugten Lesern. Diese Siegel forderten den Empfänger, meistens auf über den Inhalt zu schweigen und den Brief zu zerstören oder sicher zu verwahren. Die Umschriften waren oft Formelhaft und wurden mit der Zeit kürzer wobei Texte beliebt waren die sich reimen. „ACCIPE FRANGE LEGE REPONE CLAUDE TEGE“ – „Nimm den Brief in Empfang, zerbrich das Siegel, lies den Brief, leg ihn sicher ab und rede nicht über den Inhalt“ oder später „LEGE TEGE“ – „lies und schweig/verbirg“ (Übersetzungen sinngemäß). Sekretsiegel weisen den Leser auf einen geheimen Inhalt hin: „SIGILLUM SECRETUM“. Auch hier nimmt der Gebrauch zu, so dass in Briefen Entschuldigungen zu finden sind weshalb kein Siegel verwendet wurde oder man explizit auf die Verwendung eines anderen Siegels hinwies.

Es gab auch Siegel mit Liebesbekundungen, wobei im Einzelnen darüber nachzudenken ist, ob es um freundschaftliche oder romantische Liebe ging.

Siegelführende Frauen im Mittelaler sind sicherlich ein spannendes Thema, dass sich an anderer Stelle zu betrachten lohnt.

Bezüglich der Farbe des Siegelwachses sind vorgeschriebene Codes Spekulation. Rotes Siegelwachs konnte nicht in der Kanzlei selbst hergestellt werden und war teurer, weshalb es auf Wohlstand hinweist, andere Farben waren einfacher verfügbar.

Herstellung meiner Typare:

Ziel dieses Projekts war es Siegeltypare her zu stellen die stimmig, für einen niederen Adligen im späten 14. Jahrhundert sind. Daher der Name im Genitiv und meinen Widder als Motiv. Für Urkundensiegel sind 5 – 7cm Durchmesser normal, soweit ich es den Beispielen, die ich angeschaut habe, entnehmen kann. Dieses große Format kam auch meinen Modellierfähigkeiten entgegen, also ist mein Urkundensiegel 6,5cm groß geworden. Die Umschrift lautet „SIGILLUM IOHANNIS ARIETISMONTIS“ – „Siegel des Johannes des Widdersbergers“. Das Briefsiegel war mit 3cm Durchmesser deutlich schwieriger. Die Umschrift lautet „FRANGE LEGE TEGE CLAUDE“ – „Zerbrich das Siegel, lies den Brief, schweige über den Brief und verschließe ihn (oder schließe ihn ein)“.

Wie bereits erwähnt wurden Siegeltypare (auch Petschafte oder Siegelstempel genannt) gestochen, entweder vom Goldschmied oder vom Gürtler. Da ich diese Technik nicht beherrsche, bin ich zum Gießen ausgewichen. Natürlich kann man den Unterschied an den Bearbeitungsspuren und der Oberfläche erkennen, aber mir war primär das Motiv und die Umschrift wichtig. Bronze hatte ich noch vom Gürtelprojekt übrig, was neben Messing ein übliches Material war.

Eine Anleitung zu einem Selbstbauschmelzofen findet ihr unter:
http://www.rammsberg-manufaktur.de/schmelzofen/

Die Vorlagen habe ich aus Modelliermasse gemacht, die mir vom Tabletop vertraut ist. Dabei ist es wichtig kleinschrittig vor zu gehen. Wenn man versucht das ganze Teil auf ein mal zu modellieren, ist das zum verzweifeln 🙂 Motiv und Schrift müssen spiegelverkehrt und als Negativ abgebildet werden – es geht ja im Endeffekt um den Abdruck des Typars.

Schicht für Schicht vor zu gehen schien mir am sinnvollsten, also zuerst den Niedrigsten Teil des Typars: das dem Betrachter zugewandte Vorder- und Hinterbein sowie das Horn. Dann Körper, Schwanz und Kopf, zuletzt das dem Betrachter abgewandte Vorder- und Hinterbein.

Nachdem beide Widder fertig waren die Schrift.

Die Unebenheiten der Oberfläche lassen sich nach vollständigem Aushärten mit Schmirgelpapier ausbessern indem man mit der Bildseite nach unten schleift.

Jetzt abformen mit Formsand, erst Trennmittel in diesem Fall Magnesia.

Den Sand direkt auf den Objekten sollte man sieben für einen präzisen Abdruck.

Die erste Hälfte der Form.

Zweite Hälfte mit Gusskanälen.

Vorlagen herausnehmen:

Beim ersten Anlauf habe ich zu kalt gegossen (1250°C), so sieht das ganze etwas unförmig aus … und die Kanäle die gleichzeitig Griffe werden sollten sind verutscht.

Also direkt wieder eingeschmolzen mit mehr Energie (1300°C).

Die Schlüssel sind für meinen Schreibtisch, wenn der Ofen ein mal an war, hab ich das direkt auch erledigt 🙂

Leider sind die Kanäle wieder verrutscht, vorerst bleibt das jetzt aber so weil man es im Abdruck nicht sieht.

Gussgrate abfeilen, polieren, fertig.

Leider ist das „GE“ von „FRANGE“ sehr undeutlich geworden da muss ich vielleicht doch noch mit einem Stechwerkzeug nacharbeiten. Das zweite I von „SIGILLUM“ sieht sehr aus wie ein L, da kann ich nichts dran ändern nur ggf. neu gießen.

Siegelwachs habe ich noch nicht, sobald welches da ist, liefer ich Bilder von den Abdrücken nach.

Ein gutes Buch für den Einstieg in die Siegelkunde:

Stieldorf, Andrea: Siegelkunde. Basiswissen, Hannover, 2004.

Ein spannender Aufsatz über Briefsiegel:

Maué, Hermann: Verschlossene Briefe. Briefverschlußsiegel, in: Kommunikationspraxis und Korrespondenzwesen im Mittelalter und in der Renaissace, Heimann, Heinz-Dieter (Hrsg.), Wien, Zürich, 1998.