Schuhe nähen … nicht verzagen

Weil ich vor einigen Wochen einem Freund mit seinen ersten Stiefeln half, kam ich auf die Idee einen Beitrag dazu zu schreiben wie sich das bei mir mit den Schuhen von den ersten Versuchen bis zum neuesten Paar entwicket hat.

Zum Thema Schuhe gibt es hier auf dieser Webseite ja bereits zwei Beiträge:

http://www.rammsberg-manufaktur.de/schnittmuster-und-naehtechniken-zu-wendeschuhen/

http://www.rammsberg-manufaktur.de/lersen/

Mein erstes Paar Stiefel habe ich mit etwa 13 oder 14 Jahren genäht. Schuhe sind mir bei diesem Hobby schon früh ins Auge gestochen – Springerstiefel, diese merkwürdigen „middelaltah Schnabelstiefel“ mit Gummisohle oder sogar Turnschuhe gehen einfach garnicht. Tatsächlich etwas über Schuhe wusste ich damals aber noch nicht, was mich nicht davon abgehalten hat es zu versuchen 🙂

Da ich noch nie etwas von Nähten auf stoß oder wendenähen gehört hatte waren alle Nähte einfach als Stürznähte nach außen ausgeführt, damit sie nicht Scheuern. Sohlenleder war mir ebenfalls nicht bekannt.

Alleine schon wegen der Entenwatschel Form war mir auch damals bewusst, dass ich dieses Ergebnis nicht wollte 😉

Auf einem Markt erklärte mir ein netter Schumacher das Wendenähen. Diese Technik anzuwenden probierte ich dann erstmal für die Füße meiner kleinen Schwester (damals noch 5).

Das war 2010 und meine ersten wendegenähten Schuhe:

Als ich wusste wie man Schuhe im Wendenähverfahren macht, griff ich mir ein Paar moderne Reitstiefel um das Schnittmuster leicht geändert abzukupfern.

Vor dem nächsten Versuch wollte ich allerdings nochmal einen Schuhmacher per E-Mail fragen. Der hat mir gesagt, dass dieser Schnitt zwar funktionieren würde ein Mittelalterlicher Schaft jedoch nur aus einem Stück geschnitten sei, wie genau das aussähe wusste er nicht zu übermitteln. Diese Beschreibung stimmte zwar wie ich heute weiß nicht bedingungslos, der gezeigte Schnitt I. ist jedoch definitiv modern. Herauszufinden wie man weniger Einzelteile verwenden kann hat mich dann gefuchst, so kam es zu diesen Experimenten:

Obwohl das zweite Experiment tatsächlich relativ nah an einen Lersenschnitt heran kam, fand ich den Faltenwurf auf dem Spann damals inakzeptabel. Also bin ich zu Schnittmuster I. zurückgekehrt.

Auf die war stolz wie Oskar. Wenn mich „historisch“ auch noch nicht interessierte, wie man sieht 😉

Leider sind diese Stiefel sehr schnell kaputt gegangen obwohl der Aufwand sie zu Nähen enorm war. Außer einer Fersenverstärkung waren mir keine Verbesserungsmöglichkeiten der Haltbarkeit bekannt.

Mein nächstes Experiment sollte vor allem ein Versuch werden den Herstellungsaufwand zu veringern, sie sind genagelt nicht genäht (2012).

 

Diese Schuhe waren noch schneller kaputt… Der nächste Versuch war dann extrem dickes Leder mit der Sohle zu verschrauben als verbessrung zu Nägeln. Ich war mir damals auch 100% sicher endlich den „richtigen“ Schnitt für Stiefel gefunden zu haben, weshalb ich auch leider keine Vorversuche machte. Das hat mich dann 160€  gekostet, zu schrauben hat zwar funktioniert die Stiefel waren aber unbequem und unsäglich hässlich. Der verkackte Schnitt hat mir allerdings gezeigt wie ich es richtig machen muss 🙂 Vermutlich gibt es keine Fotos mehr, weil die Dinger so hässlich waren ^^ Ich hatte sie auch nur ein mal an.

Nach diesen Fehlschlägen die Schuhe mit weniger Aufwand her zu stellen bin ich dann zum Nähen zurück gekehrt. Die nächsten Schuhe sind aus Resten der ersten Stiefel genäht. Sie waren nur an der Ferse verstärkt ohne Randstreifen und ohne Sohlenflicken, das schien mir zu diesem Zeitpunkt zu aufwändig. Allerdings hat dieser Schnitt keine Naht auf der Ferse. Eine Naht auf der Ferse ist, denke ich, grade bei Wendeschuhen eine schwerwiegende Schwachstelle. Hier habe ich auch das erste mal mit Nähten auf stoß geabeitet. Der Schnitt entspricht etwa: http://www.rammsberg-manufaktur.de/schnittmuster-und-naehtechniken-zu-wendeschuhen Abbildung VIII.

Die Schuhe waren nicht Wasserdicht und nicht besonders schön aber ich trug  sie lange über ihre Haltbarkeit hinaus, da die Pläne für die nächsten Stiefel reifen mussten.

Während der Planung für die nächsten Stiefel kaufte ich mir das Stefan von der Heide Buch und kehrte meine Bemühungen um – Ich wollte jetzt nicht mehr versuchen den Aufwand zu verringern um mich weniger ärgern zu müssen wenn die Schuhe kaputt gehen, sondern den Aufwand erhöhen so weit notwenig um die Schuhe so haltbar wie möglich zu machen. Wie diese Stiefel genäht und geschnitten sind ist hier beschrieben: http://www.rammsberg-manufaktur.de/lersen/

Das war im Frühjahr 2015. Die Stiefel sind aus unüblich dickem Material, allerdings nicht so dick wie der unsägliche Versuch mit den Schrauben. Durch den Randstreifen sind sie so wasserdicht, dass meine Füße auch nach einem ganzen Wochenende Regen immernoch trocken sind. Die Herstellung mit Leisten hat eine schöne stabile Form ergeben. Mitlerweile ist vor allem eine der Spitzen deutlich abgelatscht, einige Riemen habe ich ersetzt und die Sohlenflicken sind zwei mal erneuert. Die Stiefel waren dreieinhalb Saisons im Einsatz, sie zeigen bisher keine Anzeichen in näherer Zukunft nichtmehr targbar zu sein. Durch den offenen Schaft sind sie auch sehr wartungsfreundlich und wenn sie dann kaputt gehen muss ich nur neue Schuhe nähen und den alten Schaft ansetzen.

Dabei übrigens zu Wiederververtung: alle gezeigten und erwähnten Schuhe habe ich als sie kaputt waren zerschnitten und soweit möglich in anderen Projekten verarbeitet, von Paar 1, 3 und 5 zehre ich immernoch^^

Für meine Freundin gab es Ende 2016 noch ein Paar derber Schlechwettertreter. Die sind ähnlich wie die neuesten Stiefel verarbeitet.

Hier ist mir aus Versehen der Einschlupf zu groß geworden und  ein Nähfehler unterlaufen, dadurch sind sie nicht so elegant geworden wie eigentlich geplant.

Als ich für diesen Beitrag die alten Versuche und Fehlschläge Revue passieren ließ, ist mir aufgefallen, dass ich noch nie ernsthaft erwogen habe bequeme feine Schuhe zu machen -> vielleicht sollte ich das bei meinem nächsten Schuhprojekt ändern 🙂