Einen Gambeson waschen

Aus Sorge der Gambeson könnte wegen seiner vielen Schichten nach dem Waschen Schimmeln ist er seit dem Nähen etwa zwei Jahre „verschmockt“. Durch den Schweiß der mit dem Tragen der Rüstung zwangsläufig einher geht und weil der Gambi einfach mein Lieblingskleidungsstück ist, hat er in dieser zeit einen intensiven Geruch entwickelt. Das und der Hinweis  meiner Freundin hat mich dazu bewogen ihn in der Winterpause zu Waschen. Wegen der Sorge um möglichen Schimmel war ich jedoch zögerlich.

Wie vom „Schicksal gewollt“ ist mir der Gambseon nun im Keller geschimmelt.

Es ging also nicht mehr darum den Gambeson zu waschen ohne ihn zu ruinieren, sondern den ruinierten Gambeson zu retten um keinen neuen nähen zu müssen (das macht nämlich ähnlich wenig Spaß wie Stiefel zu nähen).

Damit ich den Gambi weiterhin bedenkenlos tragen kann muss er natürlich volkommen schimmelfrei sein. Das sicherste Mittel um Schimmel zu töten ist, denke ich, Alkohol. Da ich mir nicht sicher war ob Alkohol die Fasern angreift, mussten erstmal Reststücke der selben Stoffe mehrere Stunden darin baden und dann trocknen. Soweit ich das mit Augen und Fingern beurteilen kann hat der Stoff (weder Wolle noch Leinen) dabei keinen Schaden genommen, obwohl ich Farbverlust hingenommen hätte blieb auch dieser aus (zu natürlich gefärbtem Stoff kann ich nichts sagen mein Gambeson besteht aus chemisch gefärbtem Stoff).

Um den Sichtbaren Schimmel grob zu entfernen erstmal abbürsten, einfach um den groben Dreck nicht im Wasser zu haben.

Jetzt Spirtus drüber kippen, zwei Liter waren knapp, ich glaube aber alle wichtigen stellen direkt getränkt zu haben. Sollten wieder Erwarten Reste übrig sein und das Problem erneut auf treten werde ich es Aufgrund der bisherigen Erfahrung nochmal mit mehr versuchen.

Am besten macht ihr das in einem gut belüftetem Raum 😉

Um den Spiritus in jeden Winkel des Kleidungsstücks zu bekommen, den Stopfen in die Badewanne und mit so heisem Wasser wie die Hände ertragen können spülen.  (bei dem Gamabi wären für ein vollständiges Einweichen in Spiritus einfach zu viele Liter notwendig gewesen, mir war der Gedanke an so viel Brennspirtus in meiner Wohung unwohl, ganz abgesehen davon dass mich dieser Einkauf wohl zum Hauptverdächtigen der nächsten Brandstiftung im Ort gemacht hätte ;)) Dabei wird der Alkohol verdünnt und ist nicht mehr so wirksam aber die wichtigsten Stellen wurden ja direkt getränkt.

Das Ganze schön ausgiebig durchkneten, aus allen Richtungen, in allen Winkeln. Jetzt Wasser ablassen und den Gambeson auswringen. Zum Auswingen habe ich nach einigem Rumprobieren befunden, dass folgende Technik bei einer solchen Stoffmenge am Besten ist:

Zuerst legt ihr den Gambeson an die Schräge Wand der Badewanne.

Jetzt beginnt ihr oben den Gambi nach unten fest auf zu rollen.

So nutzt ihr die Schwerkraft zu euer Hilfe, vollgesogen ist da eine ganze Menge Wasser drinn.

Da ich ein mal dabei war wollte ich auch versuchen den Dreck und Geruch los zu werden. Also nun mit Wollwaschmittel.

Wieder gut durchkneten, Wasser ablassen, auswringen. Im Nächsten Druchgang nur klares heißes Wasser.

Da die Brühe immernoch tief braun war (immerhin steckten zwei Jahre Turnierbahndreck, Schweiß und Marktalltagsdreck in dem Teil) habe ich den Gambeson noch drei weitere Male im Wechsel mit Wollwaschmittel und klarem Wasser gewaschen (auf jeden Fall mit klarem Wasser aufhören). Zuletzt war das Wasser immernoch trüb aber man konnte immerhin wage den Badewannenboden vermuten und die primäre Geruchsnote war Wollwaschmittel.

NACH dem letzten Auswringen befanden sich noch immense Mengen Wasser im Gambi. Vom Auswringen müde habe ich den Gambeson aufgehängt und so lange hängen lassen bis er aufghört hat zu tropfen, bzw. aus zu laufen .

Auch jetzt war er noch sehr schwer und voller Wasser. Damit das Trocknen möglichst ein Erfolg wird, schien schleudern in der Waschmaschine die beste Wahl. Die meißten Waschmaschinen sind auf 6-7kg ausgelegt und der nasse Gambi war schwerer, also ist dabei vorsicht geboten, vor allem eine Unwucht kann die Maschine beschädigen. Um besagte Unwucht zu vermeiden den Gambeson, wie abgebildet, sorgfältig ringsum in der Trommel ausgelegen und beobachten wie sich die Sache verhält. Bei 800 U/min war das Geräusch bedrohlich also zurück auf 600 U/min und lieber öfter schleudern.

Vier mal schleudern war genug.Also zum Trocknen, den Gambeson vor der Heizung drapiert, dabei ähnlich wie beim Schuhe trocknen von innen mit Zeitung oder Küchenrolle ausstopfen, vor allem die Ärmel.

Zwischendurch hin und wieder  wenden.

Zuletzt muss in diesem Fall noch das Leder nachgefettet werden damit es nicht spröde wird/bleibt.

Im Endergebnis ist der Gambeson wohl nicht „tiefenrein“ aber zumindest riecht er jetzt nach Wollwaschmittel und der Schimmel scheint besiegt.