Brustplatte Mk II

Da ich mit der ersten Brustplatte bei weitem nicht zufrieden bin ist offensichtlich, dass es mit dem Plattnern wie jedem Handwerk ist: Sich theoretisch damit zu beschäftigen bringt nur in Kombination mit Übung das gewünschte Ergebnis.

Auch diese Brustplatte ist noch nicht das Gelbe vom Ei, aber schon ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Bei den Schuhen musste ich auch erst 3 Paar hestellen, bevor ich zufrieden war. Meine Lersen (http://www.rammsberg-manufaktur.de/lersen/) waren Paar Nummer 8, wenn ich richtig zähle, daher bin ich zuversichtlich in Zukunft auch Rüstungen zufriedenstellend Plattnern zu können. Die nächste ist bereits geplant 🙂

Das  Projekt:

Der Plan war nicht eine historisch korrekte Rüstung nach Vorlage zu machen, sondern eine Vereins-Fundusrüstung,  die sich leicht in Serie herstellen lässt und von Anfängern benutzt werden kann, bis sie sich eine eigene kaufen. Der Gesamtentwurf sah noch einfache Schienbeine mit einer Platte auf dem Spann vor, die die Schnürung der leidigen Springerstiefel verbirgt und simples Armzeug ohne Geschübe. Mit einheitlichen Wappenröcken sollte so eine kleine Gruppe in einer üblichen Marktshow ausgestattet werden. Im Endeffekt bin ich nur zu Brustplatte und den Ellenbogenkacheln gekommen. Die Serienproduktion von 5 Sets, die ich zum üben machen wollte, wird aus privaten Gründen nichts.

Die Anforderung war also in erster Linie, dass die Rüstungen für verschieden große Leute  tragbar sind. Um das zu erreichen ist die Platte zwischen den Armen relativ schmal und Richtung Schulter und unter den Armen endet sie frühzeitig, da diese Stellen bei einer anderen Fundusrüstung oft zurecht gebogen werden mussten.

Hier der Entwurf:

Herstellung:

Die wichtigste Änderung zur Brustplatte Mk I (http://www.rammsberg-manufaktur.de/brustplatte/ – diesen Beitrag solltet ihr gelesen haben bevor ihr hier weiter macht) ist, dass keine Metallmulde als Unterlage zum Treiben verwendet wurde,  sondern eine dicke feste Gummimatte. Man kann auch einen Ledersandsack oder Blei als Unterlage benutzen. Auf diese Weise werden keine tiefen Spuren ins Material geprägt, außerdem findet der Wölbungsvorgang so „sanfter“ statt was für ein gleichmäßiges Ergebnis von Vorteil ist.

Beim Austreiben der Wölbung bin ich erst verzweifelt und dachte: „Aus einem Stück bekomm ich nie eine ordentliche Wölbung hin“. Dieser Gedanke war auch ein Grund, weshalb ich mich bei Mk I dafür entschieden hatte die Patte längs zu segmentieren. Diese Verzweiflung  brachte mich dazu ungeduldig und mit brachialer Gewalt zu hämmern – im Nachhinein ist man immer schlauer,  denn das hat wieder zu einer Oberfläche geführt, die im nachhinein kaum glatt zu kriegen war. Also für die Zukunft weiß ich – es funktioniert auch aus einem Stück.

Geduld und vor allem Gleichmäßigkeit sind ausgesprochen wichtig, es ist nur schwierig sich daran zu halten wenn man unsicher ist, ob es am Ende auch fruchtet. Etwas anderes was ich beim nächsten mal ausprobieren will, habe ich im nachhinein gelesen: Beim Treiben fängt man mit den Hammerbahnen von außen an, beim Tiefziehen von innen.

 

An diesem Punkt war die gewünschte Wölbung erreicht. Dann hatte ich auch die Zuversicht gleichmäßiger zu arbeiten, jedoch leider zu spät um am Ende eine glatte Oberfläche zu erlangen.

Für die Unterkante habe ich wieder Hitze zu Hilfe genommen um die Wölbung zu erhalten. Diesmal kam auch meine Idee von Abbildung VI. bei Mk I zur Erprobung – ja so geht es besser 😉

Im nächsten Schritt dem Schlichten wollte ich mein Bestes tun, die Oberfläche ebenmäßig und gleichmäßig zu machen.

Da meine Vorarbeit so grob war, stellte sich das Schlichten als Sisyphos Arbeit heraus, irgendwann habe ich aufgegeben, da es sich um ein Übungsstück handelte und ich gelernt hatte was ich lernen wollte.

Jetzt das Geschübe am unteren Bauch:

Die Krümmung meiner Lamellen ist hier zu gering, so dass die Teile am Ende nicht von alleine aufeinander zum liegen kommen konnten. Aus diesem grund musste ich tricksen :

Die Lösung, die zumindest annähernd zum gewünschten Ergebnis geführt hat, war die Unterkante des oberen Teils etwas nach außen Hämmern und die Oberkante des unteren Teils nach innen. Jetzt alle Teile aneinander Anpassen bewegen und gucken:

Für eine bewegliche Nietverbindung muss man den Niet nicht zuerst gerade von oben stauchen, sondern von Anfang an das Ende auf pilzen. Es ist auch möglich den Kopf so auszuformen, dass eine Unterlegscheibe nicht notwendig ist, ich wollte jedoch zur Sicherheit welche verwenden. Bei dieser Art von Geschübe ist es hilfreich den Niet mit Spiel auszuformen, vor allem wenn man vorher nicht sehr präzise gearbeitet hat.

Zuletzt noch polieren:

Das Fazit dieses Projekts ist: ich bin immernoch nicht zufrieden, aber konnte einige Erfahrungen sammeln. Grundsätzlich bin ich mit der Form der Wölbung zufrieden, jedoch ist die Oberfläche alles andere als glatt.

Mitlerweile habe ich das Buch Price, Brian: Techniques of medieval armour reproduction. The 14th Century, Paladin Press, Boulder, 2000 gelesen. Es hat viele meiner eigenen Feststellungen bestätigt. Zum Beispiel, ebenso redundant wie ich es betone, die Wichtigkeit von Geduld und Gleichmäßigkeit beim Plattnern.  Wer schon an der Materie experimentiert hat, wird hauptsächlich Bestätigung und ein paar hilfreiche Tips finden – ich kann das Buch also grundsätzlich empfehlen. Für jemanden der noch nichts in diese Richtung gewagt hat wird es sehr gut sein, jedoch sollte man manche Teile des Buches hinterfragen.

Nach Price erreicht man die blanke Oberfläche nach einer gleichmäßigen Arbeit durch Abschleifen der Unebenheiten, was sich durchaus mit meiner Erfahrung bisher deckt. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass man mit sehr viel Übung und Muße auch mit einem polierten Hammer ein sehr blankes Ergebnis ohne Schleifen erreichen kann.

Mein nächstes Plattenrüstungsprojekt wird eine historisch weitestgehend korrekte, vollständige Rüstung zur Jahrhundertwende 14/15 aus C65 Kohlenstoffstahl in verschiedenen Dicken. Dieses Projekt spare ich mir aber als Belohnung nach dem erfolgreichen Uni Abschluss auf 🙂 Bis dahin wird es also „nur“ Beiträge in Leder und Stoff geben, obgleich der Stahl schon besorgt ist.